Mein Name ist Dario Lindemann, ich bin 28 Jahre alt und wohne in Berlin. Ich möchte vorab ehrlich zu dir sein, der Name ist nicht mein echter Name, aber dafür wirst du sicherlich Verständnis haben. Ich arbeite als Führungskraft in einer großen Elektronikfachmarktkette und liege gerade, an einem Samstag, auf einer großen Wiese im Stadtpark. Es ist keine besonders schöne Wiese. In der Nähe muss eine Klärgrube sein, jedenfalls ziehen ab und an einige unangenehme Gerüche vorüber. Aber darum geht es nicht. Ich denke, du wirst dir sicher die Frage stellen, warum ein junger berufstätiger Mann gerade bei fast 20 Grad auf einer Wiese liegt.
Nun, ich möchte offen sein. Ich lag seit sechs ganzen Jahren nicht mehr auf irgendeiner Wiese oder war nicht länger als wenige Stunden in der Sonne. Seit vier Wochen besuche ich einen Psychologen, einen bezahlten Freund wie ich ihn nenne.
Er ist ein Therapeut im besten Alter, vielleicht 5 Jahre älter als ich.

 

Es hat ganze vier Sitzungen gebraucht bis ich seinem Ratschlag gefolgt bin. Es ist für mich das erste Mal in meinem Leben, das ich einen Psychologen besuche.
Auch war ich in den vergangenen Jahren nicht richtig krank.

 

Eine Erkältung wurde auf Arbeit auskuriert, Fieber im Pausenraum. Das Gefühl gerade im Park zu liegen ist nicht besonders angenehm. Ich weiß was du jetzt denkst, ist der verrückt, er liegt in der Sonne und lässt es sich gut gehen während ich dieses Buch gerade auf dem Weg zu Arbeit, in der Pause oder hastig kurz vor dem zu Bett gehen lese. Sei versichert, so gut geht es mir nicht. Ich habe kein Fieber, keine Kreislaufprobleme oder höre Stimmen. Nein was mir fehlt, ist lediglich Zeit für mich selbst.

Die letzten sechs Jahre habe ich so gut wie durchgearbeitet, meine Urlaube waren kurz und abschalten war nicht wirklich drin. Mein Handy war eine ständige Informationsquelle meines Arbeitgebers. Es gab viele interessante E-Mails, die ich lesen und beantworten musste.

 

Musste ist hierbei natürlich höchst provokant — natürlich muss man gar nichts und ich hätte das Handy ja auch einfach weglegen können, doch am Ende des Urlaubes hätten mich, unangenehme Gespräche erwartet.

 

Ich hätte mir die Fragen gefallen lassen müssen warum, weshalb und wieso.

 




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